Am 26. Mai dreht sich alles um die Biotonne. Ein guter Anlass, um einem oft unterschätzten Alltagshelfer die Aufmerksamkeit zu geben, die er verdient. Denn was auf den ersten Blick nach „Bioabfall“ aussieht, ist in Wirklichkeit ein wichtiger Baustein für Klima- und Ressourcenschutz. Bioabfälle sind kein Müll – sie sind der Anfang von etwas Neuem.
Im Jahr 2025 wurden im Kreis Coesfeld rund 41.270 Tonnen Bio- und Grünabfälle gesammelt. Das entspricht einem Pro-Kopf-Aufkommen von 181,2 Kilogramm pro Jahr.
Besonders positiv: Die Qualität der Sammlung ist hoch. Der Anteil an sogenannten Fremdstoffen – also Dingen, die eigentlich nicht in die Biotonne gehören – lag 2024 bei lediglich 2,11 Prozent. Das zeigt, dass die getrennte Sammlung immer besser funktioniert.
Die Einführung der Biotonne im Kreis erfolgte schrittweise über mehrere Jahre.
| Jahr / Zeitraum | Meilenstein | Beschreibung |
|---|---|---|
| ab 1987 | Erste getrennte Erfassung von Grünabfällen | In einigen Gemeinden wurde Grünabfall separat gesammelt, auf der Deponie geschreddert und als Mulchmaterial vermarktet. |
| 1987 | Beginn erster Kompostierungsversuche | Auf der Deponie Coesfeld-Höven starteten erste Versuche zur Kompostierung von Grünabfällen. |
| März 1988 – Oktober 1989 | Modellversuch zur Bioabfallsammlung | Intensivierung der Versuche: In Coesfeld, Havixbeck, Lüdinghausen und Olfen wurden Bioabfälle über verschiedene Tonnensysteme getrennt erfasst. |
| November 1989 | Inbetriebnahme Kompostierungsanlage | Eine Mietenkompostierungsanlage wurde in der Nähe der Deponie Coesfeld-Höven errichtet und in Betrieb genommen. |
| bis Mitte 1990 | Erste flächige Einführung | Coesfeld, Havixbeck, Rosendahl sowie Teile von Lüdinghausen und Olfen wurden an die Biotonne angeschlossen. |
| 1993 | Erweiterung der Biotonne | Die restlichen Stadtgebiete in Lüdinghausen und Olfen wurden vollständig angeschlossen; Anschlussgrad etwa 44 %. |
| bis Mitte 1995 | Flächendeckende Einführung | Alle übrigen Gemeinden im Kreis Coesfeld wurden an die Biotonne angeschlossen. |
| 01.01.1997 | Zuständigkeitsübergang an die WBC | Der Kreis übertrug die Verwertung von Abfällen an die Wirtschaftsbetriebe des Kreises Coesfeld (WBC). Die operative Verwertung erfolgt weiterhin durch beauftragte Unternehmen. |
| bis Ende 2013 | Kompostierung im Brikollare-Verfahren | Die Bio- und Grünabfälle wurden ausschließlich kompostiert. |
| ab 2014 | Einführung der Vergärung | Der Kompostierung wurde eine Vergärung vorgeschaltet. So kann Biogas gewonnen, aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist werden. |
Nach der Leerung der Biotonne beginnt der eigentliche Verwertungsprozess. Zunächst gelangen die Bioabfälle in eine Vergärungsanlage. Dort werden sie unter Luftabschluss verarbeitet. Innerhalb von etwa 18 bis 21 Tagen entstehen dabei zwei wichtige Produkte:
Das entstandene Biogas wird gereinigt und zu sogenanntem Biomethan aufbereitet. Dieses kann in das Erdgasnetz eingespeist werden und dient als Energiequelle für Strom, Wärme oder sogar als Treibstoff.
Die verbleibenden Gärreste werden anschließend kompostiert. In speziellen Anlagen entsteht daraus hochwertiger Kompost, der in der Landwirtschaft und im Gartenbau eingesetzt wird.
Vom Abfall zur Ressource: Kreislaufwirtschaft in Aktion
Die Biotonne ist ein praktisches Beispiel dafür, wie Kreislaufwirtschaft im Alltag funktioniert. Aus Küchen- und Gartenabfällen entsteht wertvoller Kompost, der dem Boden wichtige Nährstoffe zurückgibt. Gleichzeitig verbessert er die Bodenstruktur und trägt zum Aufbau von Humus bei. Darüber hinaus ersetzt Kompost konventionelle Düngemittel und torfhaltige Erden. Das schützt nicht nur Ressourcen, sondern auch empfindliche Ökosysteme wie Moore.
Ein weiterer Vorteil: Die getrennte Sammlung und Verwertung von Bioabfällen leistet einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von CO₂-Emissionen.

In die Biotonne gehören ausschließlich biologische, kompostierbare Abfälle. Dazu zählen unter anderem:
Wichtig ist dabei: Keine Störstoffe!
Was viele überrascht: Auch biologisch abbaubare Plastiktüten gehören nicht in die Biotonne. Diese bestehen häufig aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Kartoffeln oder Zuckerrohr und sollen laut Herstellern weitgehend biologisch abbaubar sein. In der Praxis reicht dafür jedoch die Zeit in den Verwertungsanlagen nicht aus. Während diese Materialien oft rund 12 Wochen benötigen, beträgt die Verweildauer des Bioabfalls in den Anlagen meist nur etwa 6 Wochen.
Hinzu kommt ein technisches Problem: Kompostierungsanlagen können herkömmliche Kunststoffe nicht zuverlässig von „kompostierbaren“ unterscheiden. Deshalb werden alle Plastiktüten frühzeitig aussortiert und verbrannt – oft zusammen mit anhaftenden Bioabfällen. Die Folge: Wertvolle organische Stoffe gehen verloren.
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